Inspiration

BORN | Out of Balance 

The Shelter | Kern der Angst

Architektur und Film dienen mir als Inspirationsquellen. Die Gebäude, in denen Romanszenen spielen oder in denen sich meine Protagonist*innen aufhalten, haben in den meisten Fällen reale Vorbilder. Sie müssen zum Charakter der Person passen oder der Szene den richtigen emotionalen Touch geben.

Ich bin Jägerin und Sammlerin von Architektur- und Ausstellungskatalogen sowie Filmbänden. In den Büchern zu blättern, bevor ich mich an das Schreiben einer Szene mache – Beine auf dem Couchtisch, Kaffeetasse daneben: unschlagbare Art der Recherche. 

BORN

Polytechnikum Minsk

Fakultät für Architektur des Polytechnikum in Minsk. Erbaut von W. Aninkin und I. Jesman im Jahr 1983. Rechts die überhängenden Hörsäle. 

Dieses Gebäude steht bei mir im russischen Bezirk in BORN. 

Copyright:  Frédéric Chaubin 

Ran und Tea Bag

Heruntergekommene Hausbesetzerzone. Nicht funktionierende Home-Systeme. Stehendes Wasser in den Rohren. Zuhause von Ran und Tea Bag. Fergus bezeichnet es als »Krieg und Frieden in Stahlbeton«. Und auf dessen Flachdach entdeckt Nalani Außergewöhnliches. 

.

Santiago Calatrava

Vor rund 30 Jahren bestanden Pläne für den Bau von 45 futuristischen Häusern, entworfen vom spanischen Architekten, Bauingenieur und Künstler Santiago Calatrava. Gebaut wurde schliesslich nur eine der insgesamt sechs geplanten Einheiten. 

Die Wohnsiedlung Buchenweg in Würenlingen stand Pate für das Haus von Alejandro, stadtbekannter Restaurantbesitzer in Born und Nalanis Mentor. 
Ein Mann, der immer wieder für Überraschungen sorgt. 

Copyright: https://www.archfoto.com/ege/project.php?id=3453

Потёмкин 

Der Bahnhof Potemkin im russischen Viertel von BORN ist von realen Moskauer Metrostationen inspiriert. Unterirdische Prachtbauten, die an Paläste erinnern. In
Nowoslobodskaja, einer dieser prunkvollen Stationen, findet man 32 von innen beleuchtete Glasmalereien in Einfassungen, mit denen die Pylonen ausgeschmückt sind.

Quelle: Wikipedia

Jaume Plensa – Liebe

Dieser Brunnen des spanischen Künstlers Jaume Plensa (*1955) steht in Leeuwarden. Ich selbst hatte meine erste bewusste Begegnung mit Plensas Kunst erst 2010 in Frankfurt. Auf dem Campus der Uni steht seine Skulptur »Body of Knowledge«.
Alejandro besitzt eine Kopie der »Liebe« seinem Garten. Oder ist es vielleicht sogar das Original?  

Quelle: Wikipedia

One Solar

725 Kilometer mit nur einer Akkuladung verspricht die mit Solarzellen bekleidete Limousine »One Solar« des niederländischen Herstellers Lightyear.

Das Taxi von Nalani sollte auf alle Fälle mit Solarzellen ausgestattet sein. »One Solar« lieferte einen der Ideensplitter zur Technik der Taxis von DroschkefürDich. 

Quelle: futurezone.at

Soundshirt

Ran trägt bei Clubbesuchen ein Soundshirt. Ähnlich dem oben abgebildeten von CuteCircuit. Das Shirt ist drahtlos mit einem Computer verbunden, eine Software übersetzt Töne in Daten. Hohe Töne werden an den Armen, Bässe am Bauch und Rücken spürbar. 

Das Foto stammt aus der Ausstellung »Fashion!« des  Landesmuseum Württemberg in Stuttgart.

Out of Balance (Rebellion)

Eden Project

Lawrence Huggins gibt sich gerade hingebungsvoll die Kanne, als Raumschifftrümmer auf die Außenhülle des Arboretums der Raumstation knallen. 


Copyright / Foto:
Peapix

Die subtropische Biosphären-Kuppel im Eden Project, Cornwall, England – Harpur Garden Library/Corbis © 

Für die Architektur dieses Arboretums auf Kopernikus standen die Gewächshäuser des Eden Projects Pate. In der Bauweise des Architekten Richard Buckminster Fuller entstanden in Cornwall in einer stillgelegten Kaolingrube von 1995 bis 2001 riesige Gewächshäuser.

Copyright / Foto:
Wikipedia
US-Pavillon Bioshére für die Expo 67

Sie bestehen aus aus jeweils vier miteinander verschnittenen geodätischen Kuppeln nach Entwürfen des britischen Architekturbüros Nicholas Grimshaw. Stützenfrei überdachen sie eine Fläche von insgesamt 23.000 m² und haben eine Höhe von 50 Metern bei einem Durchmesser von bis zu 125 Metern.

Copyright / Foto:
Wikipedia
Geodätische Kuppel von R. Buckminster Fuller aus dem Jahre 1978, Detroit.

Die eindrucksvollen Kuppeln dienten auch als Außenkulisse für »Stirb an einem anderen Tag«. Jinx (von Halle Berry gespielt) seilt sich vom Dach eines der Gewächshäuser ab. Sie stehen für Gustav Graves’ Eispalast in Island. 



Copyright / Foto:
Pixabay
Panoramaansicht über die geodätischen Kuppeln des Eden Projects.

The Shelter

Abbey Mills (1865 – 1868) ist die allererste Abwasserpumpstation, die im Osten Londons von Ingenieur Joseph Bazalgette, Edmund Cooper und dem Architekten Charles Driver entworfen wurde, um dem »Great Stink« im Sommer 1858 Herr zu werden. Damals begann die Themse derart zu stinken, dass das Parlamentsgebäude evakuiert werden musste.

Pumpstation Abwasser

Abbey Mills gilt weltweit als die allererste Pumpstation ihrer Art und wurde wegen ihrer Bauweise auch »Cathedral of Sewage« genannt. Die alte Architektur wird heutzutage als Filmset (»Batman Begins«) genutzt.

(Foto: www.worldabandoned.com)

Gefängnis Panoptikum

Das Presidio Modelo (1928) in Kuba wurde nach der Panopticon-Bauweise erstellt, die der britische Philosoph Jeremy Bentham als Idealarchitektur für Gefängnisse propagiert hatte. Von einem zentralen Punkt aus soll in alle sternförmig verlaufenden Korridore eingesehen werden können.  Außer im Presidio Modelo wurde dieses Prinzip noch in verschiedenen anderen Gefängnisbauten umgesetzt. Auch Filmarchitekten greifen darauf zurück (»Guardians of the Galaxy«). Das Panoptikum-Prinzip ist Thema vieler phantastischer Romane.

Green Belt

Der Metropolitan Green Belt ist ein gesetzlich verankerter, grüner Gürtel um London herum. Schon Elizabeth I hatte 1580 den Bau neuer Architektur in einem Drei-Meilen-Radius um London untersagt, um die Ausbreitung der Pest zu stoppen. Der grüne Gürtel, der 1930 – in einer Zeit, in der die Population Londons eher fiel als stieg – gegründet wurde, hat heutzutage viele Kritiker. 

Das Spaceplate Gewächshaus wurde zum ersten Mal von Studenten in Bristol genutzt. Das dänische Designbüro N55 entwarf gemeinsam mit der Architektin Anne Romme ein Glashaus, das ein auf Aluminium und Polycarbonat basierendes System benutzt und Gartenarbeit, Pflanzenwachstum und Lehranstalt miteinander vereint. 

(Foto: www.archdaily.com)

Kern der Angst

Das zisterziensische Kloster Bebenhausen im Schönbuch (BW)

Kloster Bebenhausen

»Er konnte jeden dieser kleinen Wege benutzen und somit wieder in den Kreuzgang gelangen. Sie musste abwarten, bis er sich entschieden hatte, welche Richtung er nehmen wollte. Tatsächlich schlug er den Weg zum Brunnenhausflügel ein, und sie startete durch.«

Kreuzgang

»Sie konnte gerade noch einer Familie mit Kinderwagen ausweichen, die um die Ecke des Kreuzgangs bog. Fast wäre Lioba an dem Buggy hängen geblieben und fing nur kurz den vorwurfsvollen Blick der Mutter auf, bevor sie weiterrannte.«

Kloster Schönbuch

Klosterfakt:
Das schlichte Kloster Bebenhausen liegt im Schönbuch, einem beliebten Ausflugsziel der Schwaben. Klare Linien bestimmen die Zisterzienser-Architektur. 

Klosterkirche

Klosterfakt:
Der Bau der Kloster-
kirche begann im 12. Jh. In der ersten Hälfte des 14 Jahrhunderts wurde sie umgebaut.
Die Arbeiten dauerten bis zum 16. Jahrhundert an.

»Das Geländer wurde von einem bärtigen Mann in historischer Tracht gestützt, der entweder Atlas oder diesen löwenstarken

Typen aus der Bibel darstellen sollte. Vier pausbäckige Gestalten, die eine entfernte Ähnlichkeit mit den Auenlandbewohnern aufwiesen, jedoch vermutlich die Evangelisten verkörperten, zierten die Brüstung.«

Romeo und Julia

Für mich nicht nur ein Stück Heimat, sondern auch eins meiner Lieblingsensemble: Romeo und Julia von Hans Scharoun im Stadtteil Rot. Mit diesen Hochhäusern bin ich aufgewachsen, an ihnen vorbei bin ich jeden Tag zur Schule geradelt. 
 

Manfred Pahl gestaltete nicht nur die Fassade farblich, sondern entwarf auch das Mosaik im Eingangsbereich des Romeos. 

»Romeo und Julia.«
 »Was?«, schnappte sein Kollege.
 »So heißen die zwei Grazien. Wobei unsere Julia natürlich die zierlichere der beiden ist. Da müssen wir rein.«
 »Das ist ein Witz.«
 »Mitnichten, Herr Kollege.«
 »Was für ein hübsches Paar. Und wie sie sich aneinanderschmiegen«, murmelte Deckert. »Einfach hinreißend. Du kennst meine Wohnung, geh, hole mir Tinte und Papier und bestelle Post-Pferde – ich will diese Nacht noch fort«, deklamierte er und streckte theatralisch die Arme in den Himmel.
 

Hans Scharouns, der im Dritten Reich von den Nazis kaltgestellt wurde, erbaute in Stgt-Rot sein erstes Großbauprojekt der Nachkriegszeit. Prägnant. Dominant.
Die Julia mit einem großartigen Laubengang ausgestattet, sich staffelnde Bauteile, spitzwinklige Balkone. Seit 1991 ist das Ensemble unter Denkmalschutz gestellt.
Das Romeo war lange das höchste Wohngebäude in Deutschland.

 Das »Zeit«-Feuilleton schrieb am 2. November 1962:
 »…Die Architekten hatten mit Widerständen zu kämpfen, wie sie immer und überall ungewöhnlichen Bauten entgegengestellt werden. Geldgeber waren nur mit Mühe aufzutreiben. Falsche Propheten hatten vorausgesagt, dass niemand die Wohnungen kaufen würde.«

(Foto: db-bauzeitung)